Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland wieder ein Tankrabatt. Er läuft bis zum 31. Dezember und soll Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter entlasten. Ob er das schafft, zeigt sich erst in den kommenden Wochen. Beim ersten Rabatt im Mai und Juni kam die Entlastung nur zum Teil an. Dieser Artikel zeigt Vor- und Nachteile und vergleicht den Rabatt mit sieben Alternativen aus der Debatte, darunter dem geplanten Spritpreisdeckel. Stand der Recherche: 2. Oktober 2026.
Was der zweite Tankrabatt ist
Bund und Länder einigten sich am 18. September 2026 auf den Rabatt. Bundestag und Bundesrat beschlossen ihn am 25. September im Eilverfahren. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um 14 Cent je Liter. Mit der Umsatzsteuer sind das rund 17 Cent. Die Bundesregierung beziffert die Kosten auf rund 2,5 Milliarden Euro. Bund und Länder tragen sie je zur Hälfte. Laut Bundesfinanzministerium sollen dafür Gelder genutzt werden, die 2026 nicht ausgegeben werden können.
Einen Tankrabatt gleicher Höhe gab es schon vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Eine zusätzliche Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro für Beschäftigte scheiterte im Mai im Bundesrat und wurde nie gezahlt.
Warum die Wirkung zu Beginn noch klein ist
Belastbare Zahlen zur Weitergabe des neuen Rabatts sind noch nicht gefunden. Es gibt aber Gründe, warum der Preis nicht sofort um 17 Cent sinkt. Die Energiesteuer ist nicht an der Tankstelle fällig, sondern schon bei der Lieferung vom Tanklager. Die Tanks der Tankstellen enthalten deshalb zunächst noch höher besteuerten Sprit. Das erklärte Christian Küchen vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie schon beim ersten Rabatt bei der Bundestagsanhörung. Auch bei dieser Neuauflage ist offen, ob der Kraftstoff am 1. Oktober um null Uhr wirklich billiger wird. Beim ersten Rabatt war das nicht der Fall.
Was beim ersten Rabatt ankam
Das Bundeskartellamt hat den Rabatt von Mai und Juni ausgewertet. Die Entlastung wurde demnach nicht vollständig, aber überwiegend an die Kunden weitergegeben.
- Diesel: Im Schnitt kamen 13,8 Cent je Liter an (82,6 Prozent). Es blieb eine Lücke von 2,9 Cent.
- Benzin (E5): Im Schnitt kamen 13 Cent je Liter an (77,8 Prozent). Es blieb eine Lücke von 3,7 Cent.
- Ursache: Die Berechnungen deuten laut Kartellamt eher auf die Preissetzung der Tankstellen als auf den Großhandel. Die Tankstellen vergrößerten ihre durchschnittliche Marge bei Diesel um knapp 3,3 Cent und bei E5 um knapp 1,9 Cent.
- Andere Schätzung: Das ifo-Institut stellte laut Deutscher Handwerks Zeitung fest, dass bei Super E5 und E10 die Entlastung nahezu vollständig ankam, bei Diesel aber im Schnitt nur etwa zwölf der 16,7 Cent. Die Schätzungen unterscheiden sich, in der Richtung stimmen sie überein: Beim Diesel kam weniger an.
- Nach dem Ende: Von 30. Juni auf 1. Juli stiegen die Preise um 9,6 Cent bei Benzin und 10,4 Cent bei Diesel. Zum Preis vom 28. Juni waren es 16,9 Cent bei Benzin und 19,1 Cent bei Diesel. Ein Teil der Erhöhung kam durch die 12-Uhr-Regel schon vorher.
Die Vorteile
- Schnelle, einfache Entlastung: Der Rabatt wirkt über den Preis an der Zapfsäule. Niemand muss etwas beantragen. Der Ökonom Sebastian Dullien sagte schon beim ersten Rabatt, ihm falle keine Maßnahme ein, die so schnell wirke. Auch SPD-Fraktionsvize Armand Zorn nennt ihn "direkt wirksam".
- Der größte Teil kam beim ersten Mal an: Laut Kartellamt wurde die Entlastung überwiegend weitergegeben. Auch die Monopolkommission kommt zu diesem Schluss.
- Auch Unternehmen profitieren: Die Bundesregierung will Bürger und Wirtschaft entlasten. Die Spedition und Logistik leidet laut ihrem Verband DSLV unter hohen Spritpreisen und einbrechenden Gewinnmargen.
Die Nachteile
- Er ist teuer: Die Regierung rechnet mit rund 2,5 Milliarden Euro für drei Monate. Letztlich zahlen alle Steuerzahler, auch ohne Auto. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge nennt ihn "vollständig absurd". Das sei laut ihr genau die Summe, die die Regierung bei Familienleistungen kürze.
- Die Weitergabe ist nicht vollständig: Laut Kartellamt blieben beim ersten Rabatt 2,9 Cent (Diesel) und 3,7 Cent (E5) hängen. Der Energieökonom Aaron Praktiknjo erwartete schon damals, dass zwei bis vier Cent bei den Anbietern bleiben.
- Er ist nicht zielgenau: Laut Sozialverband VdK entlastete der erste Rabatt obere Einkommen um etwa 12 Euro im Monat, untere nur um 3 Euro. Eine Kurzstudie der RWTH Aachen kam auf rund 10,70 Euro im Monat im Schnitt. Wer viel fährt oder ein verbrauchsstarkes Fahrzeug hat, spart mehr.
- Ökonomen kritisieren ihn scharf: DIW-Chef Marcel Fratzscher nennt ihn "teuer, sozial ungerecht und ökonomisch kontraproduktiv". Ifo-Präsident Clemens Fuest sagt, der Staat sei nicht dafür da, Bürger von Preisausschlägen abzuschirmen. Die höheren Importkosten ließen sich so nur umverteilen.
- Er ist umweltbelastend: Weder Rabatt noch Preisdeckel regen zum Sparen an. Der RWI-Experte Manuel Frondel sieht den Rabatt ökologisch kritisch, weil nicht weniger gefahren wird.
- Das Ende bringt einen Preissprung: Nach dem ersten Rabatt stiegen die Preise um 17 bis 19 Cent. Am 31. Dezember läuft auch der zweite aus.
Sieben Alternativen im Vergleich
Alle sieben Ideen stammen aus der aktuellen Debatte. Die Vor- und Nachteile fassen Argumente aus den Quellen zusammen. Wo sie meine eigene Einordnung sind, ist das gekennzeichnet.
1. Stromsteuer für alle senken
Die Stromsteuer würde auf das EU-Mindestmaß sinken. Bisher gilt das nur für das produzierende Gewerbe. Ein Gesetzentwurf der Grünen dazu fand im Finanzausschuss im April keine Mehrheit. Im Koalitionsvertrag ist eine Senkung für alle vereinbart, der Zentralverband des Deutschen Handwerks erinnert daran.
- Vorteil: Laut Verbraucherzentrale Bundesverband ist es eine wirksame Möglichkeit zur allgemeinen Entlastung. Der ADAC verweist auf die Entlastung aller Haushalte.
- Vorteil: Jeder Haushalt wird gleich entlastet, um 2,3 Cent je Kilowattstunde.
- Vorteil: Laut Praktiknjo würde die Elektrifizierung von Verkehr und Heizen gefördert und die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen sinken.
- Nachteil: Der Staat verliert Einnahmen. Die Senkung für Haushalte wurde aus Haushaltsgründen verschoben.
2. Direktzahlung oder Energiekostenpauschale
Der Staat zahlt einmalig einen Betrag aus. Fratzscher schlägt 300 Euro pro Erwachsenem vor, wie 2022. Der DGB fordert 150 Euro pro Kopf. Fuest hält eine einkommensabhängige Direktzahlung für das bessere Instrument. Die Bundesregierung will für 2027 die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlmechanismus schaffen.
- Vorteil: Der Preisanreiz zum Sparen bleibt erhalten.
- Vorteil: Die Auszahlung lässt sich gezielter steuern als ein Rabatt an der Zapfsäule, zum Beispiel nach Einkommen.
- Nachteil: Es kostet Steuergeld. Einordnung: Bei einer Zahlung an alle bekommen auch Haushalte Geld, die es nicht brauchen. Der Auszahlmechanismus existiert bisher nicht.
3. Klimageld
Die Einnahmen aus dem CO2-Preis werden pro Kopf an die Bürger zurückgezahlt.
- Vorteil: Verbraucherminister Helmut Martin (Rheinland-Pfalz) hält es für gezielter als einen Rabatt für alle.
- Vorteil: Der Anreiz zum Umstieg auf umweltfreundlichere Alternativen bleibt.
- Nachteil: Es ist bisher nicht umgesetzt. Einordnung: Bei plötzlichen Preissprüngen hilft es nicht schnell.
4. CO2-Preis zeitweise aussetzen
Kraftstoffe würden kurzfristig billiger. Diesen Vorschlag machten im März CDU, BSW und SPD im Thüringer Landtag. Die Bundesregierung kündigte dagegen an, dass der CO2-Preis 2027 stabil bleiben soll.
- Vorteil: Es wirkt schnell, ähnlich wie der Tankrabatt.
- Nachteil: Einordnung: Der Klimaschutz-Anreiz fällt vorübergehend weg. Wie beim Tankrabatt profitieren alle Autofahrer.
5. Pendlerpauschale erhöhen
Seit Januar 2026 liegt die Pendlerpauschale dauerhaft bei 38 Cent ab dem ersten Kilometer. Der Bund der Steuerzahler forderte bei der Bundestagsanhörung 45 Cent, die AfD will 50 Cent. Der DGB will die Pauschale kurzfristig aufstocken und direkt auszahlen. Fuest schlägt vor, die Kilometerpauschale für Fernpendler ab einer bestimmten Entfernung zu erhöhen, zum Beispiel ab 20 Kilometern.
- Vorteil: Es hilft denen, die weit zur Arbeit fahren müssen.
- Vorteil: Bei direkter Auszahlung, wie vom DGB gefordert, hilft die Pauschale auch Menschen mit niedrigem Einkommen.
- Nachteil: Laut DGB steigt die Entlastung bisher mit dem Einkommen. Wer wenig fährt, hat kaum etwas davon.
6. Spritpreisdeckel
Die Bundesregierung will spätestens zum 1. Januar 2027 einen Spritpreisdeckel einführen, nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens. Er soll nicht dauerhaft gelten, sondern als Kriseninstrument, solange die Krise anhält. Eine Behörde würde täglich Höchstpreise berechnen, auf Basis von Brennstoffpreis, Transport, Lagerung, Versicherung und Verlusten sowie einer zugestandenen Gewinnspanne. Tankstellen dürften auch billiger verkaufen. In Belgien gibt es das System seit den 1970er-Jahren. Die SPD fordert den Deckel seit Langem, das BSW will einen Höchstpreis von 1,50 Euro. Die Berechnungsmethode will der Bund zuerst mit der Mineralölwirtschaft klären.
- Vorteil: Er kostet den Staatshaushalt voraussichtlich nichts, weil er die Gewinnmargen der Konzerne drückt statt Steuern zu senken. Laut SPD-Papier soll er die Marge der Konzerne "effektiv" begrenzen.
- Vorteil: Er ist erprobt: Belgien und Luxemburg nutzen solche Modelle bereits. Eine web.de-Übersicht bewertet die Wirkung als sofort und dauerhaft.
- Vorteil: Fratzscher räumt ein, dass er einzelne Spitzenpreise kappen kann.
- Nachteil: Fratzscher hält die Erwartungen für unrealistisch. Der Deckel führe nicht zu systematisch niedrigeren Preisen, sondern kappe nur Spitzen.
- Nachteil: Die Versorgungssicherheit muss laut Beschlusspapier gewährleistet sein, und missbräuchliche Preisaufschläge müssen unterbunden werden. Einordnung: Ist der Höchstpreis zu niedrig angesetzt, könnten Anbieter ihre Lieferungen einschränken. Genau davor soll diese Auflage schützen.
- Nachteil: Er setzt laut Handwerks-Zeitung keinen Anreiz zum Sparen. Die Union hatte vor der Einigung vor vorschnellen Eingriffen in den Markt gewarnt.
7. Abgabe für Mineralölkonzerne (Übergewinnsteuer)
Krisengewinne der Mineralölkonzerne sollen abgeschöpft werden. Der DGB fordert eine Übergewinnsteuer. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) fordert sie zusammen mit dem Preisdeckel. Die Bundesregierung begrüßt Gespräche in der EU, Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft zu prüfen, ähnlich dem EU-Energiekrisenbeitrag von 2022.
- Vorteil: Laut einer web.de-Übersicht könnten die zusätzlichen Einnahmen andere Entlastungen finanzieren.
- Vorteil: Sie setzt bei den Konzernen an und nicht bei den Steuerzahlern.
- Nachteil: Laut derselben Übersicht senkt sie den Spritpreis nicht direkt.
- Nachteil: Einordnung: Ein EU-weiter Beitrag braucht Verhandlungen und dauert. Ob Deutschland einzeln eine Abgabe einführt, ist offen.
Was die Bundesregierung sonst noch tut
Unabhängig vom Tankrabatt wurden zum 1. Januar 2026 die Gasspeicherumlage abgeschafft und die Strom-Netzentgelte mit Bundesgeld gesenkt. Die Stromsteuer sank nur für über 600.000 produzierende Unternehmen auf das EU-Mindestmaß, darunter auch das Baugewerbe. Seit dem 1. April gilt eine verschärfte kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht gegenüber Mineralölkonzernen. Die 12-Uhr-Regel, nach der Tankstellen Preise grundsätzlich nur noch um 12 Uhr erhöhen dürfen, hat laut Bundeskartellamt die Preisschwankungen deutlich verringert. Sie ist aber umstritten, weil Ökonomen und Verbraucherschützer laut dpa bisher keine preisdämpfende Wirkung erkennen konnten.
Fazit
Der Tankrabatt ist schnell und einfach, und beim ersten Mal kam der größte Teil der Entlastung an. Er ist aber teuer, bleibt nicht ganz bei den Kunden und trifft nicht gezielt. Die Alternativen sind meist gezielter, wirken aber langsamer oder sind noch nicht umgesetzt. Der Spritpreisdeckel kostet den Staat voraussichtlich nichts, senkt die Preise laut Kritikern aber nur an den Spitzen. Wie viel vom neuen Rabatt ankommt, zeigen erst die Daten der nächsten Wochen. Das Kartellamt veröffentlicht sie regelmäßig in seinem Quartalsbericht zu den Kraftstoffpreisen.
Hinweis: Die Bewertungen mit "Einordnung" sind eine eigene Einschätzung. Zahlen zur Weitergabe des Rabatts von Mai und Juni stammen vom Bundeskartellamt (Stand 10. Juli 2026) und vom ifo-Institut. Für den neuen Rabatt liegen sie noch nicht vor.
Quellen
- Bundesregierung, 01.10.2026: Fragen und Antworten zum Spritpreis-Entlastungspaket
- Bundesregierung: Bund und Länder beschließen Spritpreis-Entlastungspaket
- Bundesregierung: Fragen und Antworten zu Energiepreisen (Spritpreisdeckel, Pendlerpauschale)
- Deutsche Handwerks Zeitung, 21.09.2026: Tankrabatt ab Oktober (Spritpreisdeckel, Fratzscher, Fuest, ifo)
- web.de/dpa, 15.09.2026: Hohe Spritpreise, was könnte die Politik tun?
- web.de: Welcher Vorschlag gegen hohe Spritpreise wirklich etwas bringt
- NWB: Bundestag und Bundesrat beschließen neuen Tankrabatt ab 1.10.2026
- ZDFheute: Tankrabatt ab 1. Oktober, Regierung gibt grünes Licht
- Stuttgarter Zeitung/AFP: Bundestag macht Weg für erneuten Tankrabatt frei
- Bundeskartellamt, 10.07.2026: Weitergabe der Energiesteuersenkung, 12-Uhr-Regel
- Bundestag: Anhörung zum 2. Energiesteuersenkungsgesetz, 20.04.2026
- Bundestag (hib 324/2026): Finanzausschuss billigt Tankrabatt, 22.04.2026
- web.de/dpa: Entlastungsprämie endgültig gescheitert
- t-online/dpa, 05.03.2026: Wissenschaftler sehen Tankrabatt kritisch (Frondel)
- Bundesregierung: Niedrigere Energiekosten für alle
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Bericht Stromkosten, April 2026
- ZfK: Strompreis-Senkung, Verschiebung der Stromsteuer-Senkung
- DGB: Sofortprogramm Energiepreise, 11.03.2026
- Thüringer Landtag: Drucksache 8/3172, CO2-Bepreisung aussetzen und Klimageld
- web.de/dpa: Verbraucherminister Martin zu Tankrabatt und Klimageld