Wer AfD wählt, wählt seinen eigenen Absturz — und merkt es erst, wenn es zu spät ist

Die AfD gibt vor, für die kleinen Leute zu kämpfen. Doch was ihr Programm wirklich bedeutet, zeigt ein nüchterner Blick auf die Fakten: weniger Wohlstand, schwächere Rechte, weniger Demokratie. Wer am meisten verliert, sind ausgerechnet jene, die die AfD gewählt haben.

1. Wirtschaftsabsturz: Millionen Jobs in Gefahr

Die AfD will Deutschland aus dem Euro herausführen und die EU grundlegend umbauen — bis hin zu einem möglichen Austritt. Die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend.

Zahlen & Fakten Ein EU-Austritt würde nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) bereits nach fünf Jahren 690 Mrd. € kosten und 2,5 Mio. Arbeitsplätze vernichten. Nach 15 Jahren drohte ein dauerhafter Verlust von bis zu zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung — rund 400 Milliarden Euro pro Jahr. (IW Köln, 2025)

Mehr als 40 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung werden exportiert. Weit mehr als die Hälfte aller gut bezahlten Arbeitsplätze hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Die AfD will diese Grundlage durch den Ausstieg aus EU und Euro zerstören — Lieferketten würden zerrissen, Exporte einbrechen, Millionen Arbeitsplätze verschwinden.

Ein Euro-Austritt würde deutsche Exportgüter um bis zu 30 Prozent verteuern. Die Rückkehr zu teurer Kohle- und Atomenergie würde Strompreise in die Höhe treiben. Beides gefährdet Millionen Arbeitsplätze — besonders in der Exportindustrie. Das Experiment Brexit liefert den Beweis: Großbritannien zahlt bis heute den Preis.

2. Reiche reicher, Arme ärmer: Das Steuermodell der AfD

Die AfD präsentiert sich als Partei der kleinen Leute. Ihr Steuerprogramm erzählt eine andere Geschichte.

Was die AfD plant Eine Flat Tax mit maximalem Steuersatz von 25 Prozent würde vor allem Spitzenverdiener entlasten. Dazu kommen die Abschaffung der Erbschaftssteuer, der Schenkungssteuer und der Grundsteuer. Dem Staat und den Kommunen würden Einnahmen in dreistelliger Milliardenhöhe fehlen. (DGB-Analyse, 2025)

Eine ZEW-Analyse der Bundestagswahlprogramme 2025 zeigt, dass die AfD-Vorschläge insbesondere den Reichen zugutekommen und eine weitere Umverteilung von unten nach oben bewirken. Den Staat und damit auch die sozialen Sicherungssysteme will die AfD finanziell ausbluten.

Weniger Steuereinnahmen bedeuten: weniger Geld für Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Renten. Wer davon am meisten abhängt, sind Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen — also genau jene, die die AfD wählen.

3. Sozialabbau: Gewerkschaften geschwächt, Arbeitnehmer schutzlos

Wer im Job wenig verdient, ist auf starke Gewerkschaften und Tarifverträge angewiesen. Die AfD will beides abschaffen.

Was die AfD konkret fordert Gewerkschaften sollen aus den Betrieben gedrängt werden. Das Streikrecht soll durch zwingend vorgeschriebene Schlichtungsverfahren eingeschränkt werden. Die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen — also die Regel, dass Mindeststandards für alle gelten — soll abgeschafft werden. (DGB, 2025)

Die AfD will die Gewerkschaften aus den Betrieben verbannen. Im Bundestag lehnt sie alle Initiativen ab, mit denen die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtert werden könnte. Dem Anstieg des Mindestlohns auf 12 Euro hat die AfD 2022 nicht zugestimmt, weil die Anhebung den Markt außer Kraft setze.

Das Ergebnis: Wer keinen starken Betriebsrat und kein tarifvertragliches Netz hat, ist dem Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert. Schlechte Löhne, schlechtere Bedingungen, weniger Sicherheit.

4. Fachkräftemangel verschärft sich: „Maschinen statt Migranten" löst nichts

Deutschland hat ein massives Fachkräfteproblem. Die AfD will es durch Abschottung lösen — das Gegenteil wäre richtig.

Was ausländische Beschäftigte heute leisten Die 6,7 Millionen ausländischen Beschäftigten in Deutschland erwirtschaften bereits heute 13,2 Prozent der Bruttowertschöpfung. Rechnet man vor- und nachgelagerte Effekte hinzu, steigt ihr Anteil auf 16,9 Prozent — das entspricht einer Wertschöpfung von 648 Milliarden Euro. (IW Köln, 2025)

Die AfD bezeichnet den Fachkräftemangel teilweise als „Behauptung einiger Wirtschaftsverbände und Lobbyisten". Stattdessen fordert sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung — Stichwort: „Maschinen statt Migranten". Weder Problemnegierung noch die Einschränkung qualifizierter Zuwanderung helfen den Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung.

Ohne qualifizierte Zuwanderung werden Pflegeheime, Krankenhäuser, Handwerksbetriebe und Fabriken nicht mehr funktionieren. Das trifft alle — aber zuerst jene, die auf diese Dienstleistungen angewiesen sind.

5. Demokratieabbau: Pressefreiheit und Justiz unter Druck

In Ländern wie Ungarn oder Polen hat man gesehen, wie es geht: Erst die Medien, dann die Justiz, dann die Demokratie. Die AfD arbeitet nach demselben Muster.

Was Verfassungsschützer und Gerichte sagen Im Mai 2025 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextreme Bestrebung ein. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig bestätigte diese Einstufung im Juli 2025 rechtskräftig. In vier Bundesländern — Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen — gilt die AfD als gesichert rechtsextrem. (Verfassungsschutzbericht, BVerwG-Urteil 2025)

Schon im AfD-Grundsatzprogramm finden sich Strukturelemente extremistischen Denkens: Verschwörungstheorien, ethnisch-biologistische Identitätsvorstellungen, die Ablehnung pluralistischer Demokratie und Einschränkungen von Grundrechten. Die AfD konstruiert ein Freund-Feind-Schema und propagiert die Verschwörungstheorie eines großen Austauschs. Freiheitsrechte wie Presse-, Religions- und Wissenschaftsfreiheit werden relativiert.

Eine AfD-Regierung würde sich zunehmend aus der Presseöffentlichkeit zurückziehen, kritische Medien von Informationen ausschließen und als Teil eines „feindlichen Systems" delegitimieren. Das Muster ist bekannt aus Polen und Ungarn: Durch Änderung einfacher Gesetze — im Schulbereich, Justizwesen, bei Medien oder Polizei — wird die autoritäre Verschiebung normalisiert und gesichert.

6. Denunziantentum gestärkt: Misstrauen als Staatsprinzip

Die AfD schürt systematisch Misstrauen — gegen Medien, gegen Wissenschaft, gegen den Staat, gegen Nachbarn. Das hat konkrete Folgen für das gesellschaftliche Klima.

Wer Menschen gegeneinander ausspielt, schwächt den sozialen Zusammenhalt. Wenn Nachbarn sich misstrauen, wenn Behörden als Feind gelten, wenn jede kritische Stimme als „Lügenpresse" abgetan wird — dann entsteht ein Klima, in dem demokratische Kontrolle nicht mehr funktioniert.

Regelmäßig versucht die AfD, etablierte Medien von Parteitagen oder Wahlkampfveranstaltungen auszuschließen. Passen Nachrichten zu ihren Kampagnenthemen, zitiert sie diese gerne. Wenn dieselben Medien aber Menschenverachtung oder Rassismus in den Reihen der AfD kritisieren, sind Fakten plötzlich Lügen.

Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der niemand mehr weiß, was wahr ist. Und eine Gesellschaft ohne gemeinsame Wahrheit kann keine gemeinsamen Probleme lösen.

7. Sozialstaat ausgehöhlt: Wer zahlt die Rechnung?

Die AfD verspricht Steuersenkungen, lehnt Schulden ab und will gleichzeitig höhere Renten. Das geht nicht zusammen.

Die Rechnung Die AfD verspricht 181 Milliarden Euro an Steuersenkungen pro Jahr — das sind 4,13 Prozent der Wirtschaftsleistung oder 20 Prozent der Gesamtsteuereinnahmen. Finanzierbar wäre das nur durch massive Staatsverschuldung. Gleichzeitig verteidigt die AfD die Schuldenbremse unnachgiebiger als jede andere Partei.

Die Mietpreisbremse lehnt die AfD ab. Den sozialen Wohnungsbau bezeichnet sie als gescheitert. Stattdessen setzt sie auf Wohngeld — ein Instrument, das Vermietern nützt, nicht Mietern. (AfD-Wahlprogramm 2025)

Weniger Steuern oben, weniger Sozialstaat unten: Das ist keine Sozialpolitik. Das ist Umverteilung von Arm nach Reich.

Was auf dem Spiel steht

Die AfD tritt an mit dem Versprechen, für die kleinen Leute da zu sein. Ihr Programm liefert das Gegenteil: weniger Jobs, weniger Schutz im Betrieb, weniger Sozialstaat, weniger Demokratie. Die Hauptleidtragenden wären vor allem die Wählerinnen und Wähler der AfD selbst.

Fazit

Ein nüchterner Blick auf das AfD-Programm zeigt: Es gibt keine Maßnahme darin, die das Leben der Menschen, die die AfD wählen, wirklich besser machen würde. Stattdessen würden Millionen Arbeitsplätze vernichtet, Arbeitnehmerrechte abgebaut, der Sozialstaat geschwächt und die Demokratie Schritt für Schritt ausgehöhlt. Das ist keine Alternative. Das ist ein Rückschritt.