Die AfD gibt vor, für die kleinen Leute zu kämpfen. Doch was ihr Programm wirklich bedeutet, zeigt ein nüchterner Blick auf die Fakten: weniger Wohlstand, schwächere Rechte, weniger Demokratie. Wer am meisten verliert, sind ausgerechnet jene, die die AfD gewählt haben.
1. Wirtschaftsabsturz: Millionen Jobs in Gefahr
Die AfD will Deutschland aus dem Euro herausführen und die EU grundlegend umbauen — bis hin zu einem möglichen Austritt. Die wirtschaftlichen Folgen wären verheerend.
Mehr als 40 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung werden exportiert. Weit mehr als die Hälfte aller gut bezahlten Arbeitsplätze hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Die AfD will diese Grundlage durch den Ausstieg aus EU und Euro zerstören — Lieferketten würden zerrissen, Exporte einbrechen, Millionen Arbeitsplätze verschwinden.
Ein Euro-Austritt würde deutsche Exportgüter um bis zu 30 Prozent verteuern. Die Rückkehr zu teurer Kohle- und Atomenergie würde Strompreise in die Höhe treiben. Beides gefährdet Millionen Arbeitsplätze — besonders in der Exportindustrie. Das Experiment Brexit liefert den Beweis: Großbritannien zahlt bis heute den Preis.
2. Reiche reicher, Arme ärmer: Das Steuermodell der AfD
Die AfD präsentiert sich als Partei der kleinen Leute. Ihr Steuerprogramm erzählt eine andere Geschichte.
Eine ZEW-Analyse der Bundestagswahlprogramme 2025 zeigt, dass die AfD-Vorschläge insbesondere den Reichen zugutekommen und eine weitere Umverteilung von unten nach oben bewirken. Den Staat und damit auch die sozialen Sicherungssysteme will die AfD finanziell ausbluten.
Weniger Steuereinnahmen bedeuten: weniger Geld für Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Renten. Wer davon am meisten abhängt, sind Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen — also genau jene, die die AfD wählen.
3. Sozialabbau: Gewerkschaften geschwächt, Arbeitnehmer schutzlos
Wer im Job wenig verdient, ist auf starke Gewerkschaften und Tarifverträge angewiesen. Die AfD will beides abschaffen.
Die AfD will die Gewerkschaften aus den Betrieben verbannen. Im Bundestag lehnt sie alle Initiativen ab, mit denen die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtert werden könnte. Dem Anstieg des Mindestlohns auf 12 Euro hat die AfD 2022 nicht zugestimmt, weil die Anhebung den Markt außer Kraft setze.
Das Ergebnis: Wer keinen starken Betriebsrat und kein tarifvertragliches Netz hat, ist dem Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert. Schlechte Löhne, schlechtere Bedingungen, weniger Sicherheit.
4. Fachkräftemangel verschärft sich: „Maschinen statt Migranten" löst nichts
Deutschland hat ein massives Fachkräfteproblem. Die AfD will es durch Abschottung lösen — das Gegenteil wäre richtig.
Die AfD bezeichnet den Fachkräftemangel teilweise als „Behauptung einiger Wirtschaftsverbände und Lobbyisten". Stattdessen fordert sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung — Stichwort: „Maschinen statt Migranten". Weder Problemnegierung noch die Einschränkung qualifizierter Zuwanderung helfen den Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung.
Ohne qualifizierte Zuwanderung werden Pflegeheime, Krankenhäuser, Handwerksbetriebe und Fabriken nicht mehr funktionieren. Das trifft alle — aber zuerst jene, die auf diese Dienstleistungen angewiesen sind.
5. Demokratieabbau: Pressefreiheit und Justiz unter Druck
In Ländern wie Ungarn oder Polen hat man gesehen, wie es geht: Erst die Medien, dann die Justiz, dann die Demokratie. Die AfD arbeitet nach demselben Muster.
Schon im AfD-Grundsatzprogramm finden sich Strukturelemente extremistischen Denkens: Verschwörungstheorien, ethnisch-biologistische Identitätsvorstellungen, die Ablehnung pluralistischer Demokratie und Einschränkungen von Grundrechten. Die AfD konstruiert ein Freund-Feind-Schema und propagiert die Verschwörungstheorie eines großen Austauschs. Freiheitsrechte wie Presse-, Religions- und Wissenschaftsfreiheit werden relativiert.
Eine AfD-Regierung würde sich zunehmend aus der Presseöffentlichkeit zurückziehen, kritische Medien von Informationen ausschließen und als Teil eines „feindlichen Systems" delegitimieren. Das Muster ist bekannt aus Polen und Ungarn: Durch Änderung einfacher Gesetze — im Schulbereich, Justizwesen, bei Medien oder Polizei — wird die autoritäre Verschiebung normalisiert und gesichert.
6. Denunziantentum gestärkt: Misstrauen als Staatsprinzip
Die AfD schürt systematisch Misstrauen — gegen Medien, gegen Wissenschaft, gegen den Staat, gegen Nachbarn. Das hat konkrete Folgen für das gesellschaftliche Klima.
Wer Menschen gegeneinander ausspielt, schwächt den sozialen Zusammenhalt. Wenn Nachbarn sich misstrauen, wenn Behörden als Feind gelten, wenn jede kritische Stimme als „Lügenpresse" abgetan wird — dann entsteht ein Klima, in dem demokratische Kontrolle nicht mehr funktioniert.
Regelmäßig versucht die AfD, etablierte Medien von Parteitagen oder Wahlkampfveranstaltungen auszuschließen. Passen Nachrichten zu ihren Kampagnenthemen, zitiert sie diese gerne. Wenn dieselben Medien aber Menschenverachtung oder Rassismus in den Reihen der AfD kritisieren, sind Fakten plötzlich Lügen.
Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der niemand mehr weiß, was wahr ist. Und eine Gesellschaft ohne gemeinsame Wahrheit kann keine gemeinsamen Probleme lösen.
7. Sozialstaat ausgehöhlt: Wer zahlt die Rechnung?
Die AfD verspricht Steuersenkungen, lehnt Schulden ab und will gleichzeitig höhere Renten. Das geht nicht zusammen.
Die Mietpreisbremse lehnt die AfD ab. Den sozialen Wohnungsbau bezeichnet sie als gescheitert. Stattdessen setzt sie auf Wohngeld — ein Instrument, das Vermietern nützt, nicht Mietern. (AfD-Wahlprogramm 2025)
Weniger Steuern oben, weniger Sozialstaat unten: Das ist keine Sozialpolitik. Das ist Umverteilung von Arm nach Reich.
Was auf dem Spiel steht
Die AfD tritt an mit dem Versprechen, für die kleinen Leute da zu sein. Ihr Programm liefert das Gegenteil: weniger Jobs, weniger Schutz im Betrieb, weniger Sozialstaat, weniger Demokratie. Die Hauptleidtragenden wären vor allem die Wählerinnen und Wähler der AfD selbst.
Fazit
Ein nüchterner Blick auf das AfD-Programm zeigt: Es gibt keine Maßnahme darin, die das Leben der Menschen, die die AfD wählen, wirklich besser machen würde. Stattdessen würden Millionen Arbeitsplätze vernichtet, Arbeitnehmerrechte abgebaut, der Sozialstaat geschwächt und die Demokratie Schritt für Schritt ausgehöhlt. Das ist keine Alternative. Das ist ein Rückschritt.